Den Sechseläutenplatz zum Klassenzimmer gemacht

Über 150 Kursteilnehmer*innen, Moderiende und Aktivist*innen der Autonomen Schule Zürich (ASZ) nahmen sich heute Freitagnachmittag, 6. November, den Sechseläutenplatz zum Klassenzimmer. Das selbstverwaltete Bildungsprojekt sucht noch immer nach einem neuen Schulhaus.

Bildung für alle, dafür steht die ASZ ein, unabhängig von der Herkunft, dem Geschlecht oder den finanziellen Möglichkeiten eines jeden Menschen. Doch jeder Unterricht, jede Schule benötigt Raum – und der fehlt der ASZ seit Mitte dieser Woche. Nach der Räumung des Schulhauses an der Bachmattstrasse 59 ist sie obdachlos. Deshalb nahmen sich heute Freitagnachmittag, 6. November, über 150 Aktivist*innen, Kursteilnehmer*innen und Moderierende den Sechseläutenplatz zum Klassenzimmer – und taten dort, was die ASZ immer tut: einen Raum für Austausch und Bildung bieten, in dem alle voneinander lernen.

Heute Nachmittag zwischen 14 und 16 Uhr fand der Deutschunterricht deshalb an einem ungewöhnlichen Ort statt: direkt vor dem Opernhaus unter freiem Himmel. Wandtafeln und einige Bänke hat die Schule mitgebracht, doch auch die freien Stühle auf dem Platz und die Schiefertafeln des Platzes dienten dem Unterricht.

Zu den Gesprächen mit der Stadt

In den Gesprächen mit der linksgrünen Stadtregierung wurde deutlich, dass man sich bemüht, eine Lösung für das Raumproblem der Schule zu finden. Die ASZ betonte in diesen Gesprächen stets, dass die zentrale Lage eines neuen Schulhauses von grosser Bedeutung ist. Das derzeit einzige im Raum stehende Angebot ist noch alles andere als konkret.
Vorerst müssen wir dabei bleiben: Derzeit ist kein räumliches Angebot vorhanden, in dem wir unsere Schule weiterführen können. Fest steht aber, dass wir uns nicht verdrängen lassen.

Wichtiger Treffpunkt in der Stadt

Die ASZ ist in den letzten 7 Jahren zu einem zentralen Begegnungsort von Sans-Papiers, Flüchtlingen und anderen Migrant*innen und Einheimischen geworden. Die kostenlosen Deutschkurse machen einen Grossteil der Schulaktivitäten aus, daneben finden weitere Fremdsprachenkurse sowie ein Reihe zusätzlicher Projekte wie eine eigene Zeitung, Kino, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und vieles mehr statt. Die ASZ handelt nach dem Prinzip „Bildung für Alle“: Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung unabhängig von Herkunft, Ge-schlecht und finanziellen Möglichkeiten.
Die ASZ ist ein Ort des Austauschs und zeichnet sich durch eine konsequent antirassistische Haltung aus. Kursteilnehmer*innen, Moderierende und Aktivist*innen aus der ganzen Welt schaffen gemeinsam eine neue Gesellschaft. Die ASZ steht für eine emanzipative Lern- und Diskussionskultur, an der jeder und jede das Recht hat teilzunehmen: „Alle die hier sind, sind von hier!“

Die ASZ ist für die Stadt unentbehrlich und hat einen festen Platz in ihrem Zentrum verdient – und zwar jetzt. Wir lassen uns nicht verdrängen.

Einige erste Impressionen von der Aktion könnt ihr bei tsueri.ch betrachten. Bald werden wir auch eigene Photos ins Netz stellen.
Eine Presseschau findet ihr in der Timeline unserer frei zugänglichen Facebook-Seite.