22. Mai 2019

10 Jahre ASZ, (k)ein Grund zum Feiern?

10 Jahre ASZ, (k)ein Grund zum Feiern?

(Programm weiter unten)

2019 blickt die Autonome Schule Zürich auf eine 10-jährige Geschichte zurück. Es ist eine Geschichte der Bewegung, der Solidarität und des Widerstands. Die Geschichte der ASZ ist geprägt von zahlreichen Umzügen, Besetzungen und Kampagnen. Die ASZ hat als eine kleine Bewegung angefangen und ist unterdessen aus Zürich nicht mehr wegzudenken.

2008 wurden Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung aus der Sozialhilfe ausgeschlossen, damit wurde ihnen auch der Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe versperrt. Um sich gemeinsam gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren, wurde 2009 die ASZ gegründet.

Doch was hat sich in diesen 10 Jahren geändert?

Weiterhin werden Menschen illegalisiert und vom gesellschaftlichen Leben isoliert. Abgewiesene Asylsuchende finden sich heute in einem noch repressiveren System wieder. Mit Eingrenzungen und Anwesenheitszwang in den Lagern werden sie systematisch isoliert. Rassistische Polizeikontrollen (Racial Profiling) sind noch immer weit verbreitet und Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung werden als “Illegale” eingesperrt. Auch in der Politik fanden Initiativen wie die Masseneinwanderungsinitiative breite Zustimmung.

Das Botschafts-Asyl wurde 2013 ebenfalls abgeschafft und die Schweiz beteiligt sich fortan am Bau der Festung Europa. Aufgrund dieser Politik sterben jedes Jahr mehrere tausend Menschen an den Grenzen Europas. Auch wer es bis in die Schweiz schafft, ist noch nicht in Sicherheit. Wurde eine Person in einem anderen Land registriert, kann sie die Schweiz wegen dem Dublin-Abkommen wieder dahin zurückschicken. Die Schweiz ist dabei Europaweit führend, sie schafft Personen so effizient zurück, wie fast kein anderes Land.

Einigen Menschen gibt die Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung, andere wiederum müssen geduldet werden, da sie nicht ausgeschafft werden können. Diese Menschen bekommen eine F-Bewilligung - vorläufige Aufnahme. Doch das reicht nicht, um richtige Unterstützung zu erhalten. 2016 wurde per Volksentscheid im Kanton Zürich entschieden, dass Menschen mit vorläufiger Aufnahme kein Anrecht auf Sozialhilfe haben. Somit wird noch mehr Menschen der Zugang zu Bildung und ein Selbstbestimmtes Leben verwehrt.

Das Jahr 2019, indem wir uns fragen, ob 10 Jahre ASZ ein Grund zum Feiern ist, trat ebenfalls das neue Asylgesetz in Kraft. Dieses Gesetz sperrt Menschen in Lager, nimmt ihnen ihre Freiheit, ihre Rechte und schliesst geflüchtete Menschen von Anfang an aus der Gesellschaft aus.

Deshalb gibt es für uns nicht nur Grund zum Feiern. Wir müssen weiterkämpfen, widerständig bleiben und unsere Stimme gemeinsam gegen dieses Unrecht erheben. Ausruhen können wir uns noch lange nicht.

Jede Woche besuchen mehrere hundert Menschen die ASZ um zu lernen, Freunde zu treffen, sich zu engagieren und zusammen für eine gerechtere Welt einzustehen. Das können und wollen wir feiern.

Ob wir unseren Ansprüchen gerecht werden oder nur gratis Arbeit leisten für den Staat? Das bleibt zu diskutieren.

Den Widersprüchen zum Trotz machen wir weiter und fordern weiterhin: Bleiberecht für alle!

Weitere Informationen:

Asylgesetz:

https://www.ajour-mag.ch/archipel-sommaruga/

https://ausstellung.noblogs.org/

https://gegenlager.info/files/pdf/zeitungGegenlager.pdf

Nothilfesystem:

https://www.wo-unrecht-zu-recht-wird.ch

Geschichte der ASZ:

https://bildung-fuer-alle.ch/eintrag/die-geschichte-der-asz




Programm


Sa, 22. Juni 2019, 19:00 Uhr, ASZ, Podiumsdiskussion:

Was macht die ASZ zu einem emanzipatorischem Ort? Welche internen Probleme haben
wir und wie gehen wir sie gemeinsam an? Was haben wir bisher erreicht? Wie sehen wir
die Zukunft der Autonomen Schule?

Diese Fragen möchte wir mit Menschen erörtern die
die vergangenen Jahre der Autonomen Schule geprägt und teils auch durch ihre Kritik den
Ort massgebend geändert haben.

Eingeladen dazu sind verschiedene Grundüngsmitglieder, die Frauen AG und das
Solinetz.

Im Anschluss findet eine offene Diskussionsrunde und ein Apéro statt an dem wir gerne
weiter über die Vergangenheit und Zukunft der ASZ reden.


Mo, 24. Juni, 19:30 Uhr, ASZ

Racial Profiling: Struktureller Rassismus und antirassistischer Widerstand in der Schweiz.

Rassistische Polizeikontrollen gehören zum Alltag in der Schweiz und in ganz Europa. Immer mehr betroffene Menschen, sind nicht mehr bereit, dies widerstandslos zu akzeptieren.
Am Workshop diskutieren wir anhand der Ergebnisse zweier aktueller Studien zu Racial Profiling in der Schweiz Möglichkeiten des antirassistischen Widerstandes.

Die Studien sind:

Racial Profiling. Erfahrung, Wirkung, Widerstand (https://www.rosalux.de/publikation/id/40493/racial-profiling/)
und das Buch Racial Profiling. Struktureller Rassismus und antirassistischer Widerstand (https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-4145-5/racial-profiling/)

Di, 25. Juni, 19:00-20:30 Uhr, ASZ

Vier Formen der Haft - und keine Straftat

Ein Workshop der AG Recht der ASZ darüber, wie Administrativhaft funktioniert.


Mi, 26 Juni, 14:00 Uhr, ASZ

AG Gemeinschaftsleben: Vorstellung des Cafés.

Do, 27. Juni 2019 14:00 -17:00 Uhr, ASZ

Das Schulbüro stellt sich vor und erklärt wie die Schule funktioniert.

Fr, 28. Juni 2019, ab 14:00 Uhr, ASZ

Jubiläumsfest

Tag der offenen Schule:

Die Schule kennenlernen, Leute kennenlernen, Essen, Trinken & Musik.
Für die kleinen gibtʼs eine Kinderspielecke.

18:00 Uhr Lynn Aineo (Gitarre/Gesang)
19:00 Uhr Kamran (Oud/Gesang)
20:00 - 22:00 Uhr Open Mic Jam Session mit Bheki Ndolvu


Ab 22:00 Uhr: Fest im Provitreff

22:00 Uhr DJ Amazigh
24:00 Uhr Pambelé: Caribbean & Afro Sounds 02:00 Uhr DJ Wachabocacha

Dokumente zu dieser Seite:

Flyer
29. März 2019

Bundeslager - Gegen jegliches Verwalten von Menschen.

Die Ausstellung vom 11. - 13. April 2019 beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden.